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Ostereier mit Pflanzen färben

Ostereier mit Pflanzen gefärbt
Ostereier mit Pflanzen gefärbt

Eier zu färben, hat eine lange Tradition. Aber nicht jedes gefärbte Ei, war ein Osterei.

 

In vielen Kulturen gilt das Ei als Symbol für Fruchtbarkeit, für die Entstehung neuen Lebens und für Wiedergeburt. Gefärbte Eier wurden dementsprechend vielseitig verwendet.

 

 

Bemalte Eier als Grabbeigabe, zur Geburt eines Kindes, um die Tag- und Nachtgleiche zu feiern und in heutiger Zeit im Christentum zu Ostern als Symbol für die Auferstehung Jesu.

Und da in der Fastenzeit vor Ostern keine Eier gegessen werden durften, es früher aber auch noch keinen Kühlschrank gab, wurden die Eier der letzten beiden Wochen vor Ostersonntag, hart gekocht und rot eingefärbt. Rot vermutlich deshalb, weil die Farbe an das Blut von Jesus und seinen Opfertod am Kreuz erinnern sollte. Erst viel später begann man, die Ostereier auch in anderen Farben einzufärben.

 

Weitere Informationen zum Osterei findet ihr auch hier.

Nun aber zum Färben der Ostereier

 

Nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen macht das Färben, oder Bemalen von Ostereiern viel Freude. Aber ganz besonders für Kinder ist das Färben der Eier mit Pflanzenmaterial spannend und sorgt für so manches „Ah“ und „Oh“. Es ist nämlich schon sehr überraschend, wie man ganz ohne Chemie, so viele verschiedene und recht intensive Farben herstellen kann.

Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal den Versuch unternommen, unsere Ostereier mit Pflanzenmaterial einzufärben und bin ganz begeistert, denn das Ergebnis kann sich sehen lassen.

 

Es gibt reichlich Pflanzen, deren Farbe für Lebensmittel geeignet sind. Eine sehr große Auswahl findet man auf der Seite Farben und Leben.

 

Welche Farben letztendlich dabei herauskommen wird, hängt aber von verschiedenen Faktoren ab:

 

  • Von dem Ei zuallererst, denn nicht alle Schalen nehmen die Farbe gleich gut an. 
  • Von der Färbedauer, die von wenigen Minuten, insbesondere bei Kurkuma, bis hin zu 24 Stunden gehen darf, je nach Farbwunsch.

 

Davon, ob das Pflanzenmaterial rein verwendet wird, oder ob man noch:

 

  • Essig dazugibt, welcher die ursprüngliche Farbe aufhellt. (Bei Rotkohl wird die Flüssigkeit zwar Rosa, der Farbton, den das Ei annimmt, wird aber dunkler, also Dunkelblau.)
  • Speisesoda hinzugibt, welches bei einer Färbung mit Rotkohl einen leichten Türkiston ergibt.
  • Ob man zur Farbintensivierung noch Alaun, oder Pottasche hinzugibt. 
Färberkamille Blüten
Färberkamille Blüten

Ich habe für meinen ersten Versuch folgende Materialien verwendet:

  • Blaukraut (oder auch Rotkohl genannt) für Farbtöne von Blaugrau bis Dunkelblau.
  • Rote Bete von Hellgrau-beige bis Dunkelrosa und roten Farbtönen
  • Kurkuma Pulver von Hellgelb bis intensivem Sonnengelb
  • Färberkamille von hellem Zartgelb bis grünlich
  • Rote Zwiebelschalen von hellem bis dunklem Braunrot
  • Spinat/Brennnessel sehr zartes Grün
  • Essig
Rote Bete Scheiben
Rote Bete Scheiben

Da Pflanzenfarben meist nicht ganz so intensive Farben ergeben, ist es empfehlenswert, weiße Eier zum Färben zu nutzen. Die Eier sollten 7-10 Tage alt sein, dann ist die Gefahr, dass sie während dem Kochen platzen, zumindest geringer. 

(Beim Eierkauf im Supermarkt, kann man anhand des MHD Stempels das Alter berechnen, indem man vom MHD 28 Tage zurückrechnet und dann die 7-10 Tage wieder dazu.)

 

Die Eier müssen mit  Essigwasser im Verhältnis 1:1 gut abgewaschen werden, um Verschmutzungen zu entfernen. 

(Der MHD Stempel bei Supermarkteiern geht möglicherweise nicht ganz ab, aber mit Essigwasser verblasst er zumindest.)

 

Vor dem Kochen sollten die Eier zwei bis drei Stunden Zimmertemperatur annehmen. 

Was das Kochen an sich angeht, gibt es verschiedene Empfehlungen. 

Ich persönlich benutze einen großen Topf, damit die Eier möglichst nebeneinander liegen können. Zusätzlich lege ich auf den Boden des Topfes ein bis zwei Küchentücher ins Wasser. 

Die zimmerwarmen Eier lege ich in das kalte Wasser und erhitze das Wasser langsam bis zum Siedepunkt. Sobald das Wasser beginnt, sprudelnd zu kochen, drehe ich die Hitze zurück, so dass die Eier nicht im Topf „herumtanzen“. 

Bei meinem gestrigen Versuch hatte ich um zwei, drei Minuten den richtigen Zeitpunkt verpasst, die Flamme an unserem Gasherd zurückzudrehen und bei dem dadurch entstandenen „Eiertanz“, gingen dann leider doch ein paar Eier kaputt. 

3 von 20. 

Das ist dennoch mein bisher bestes Ergebnis beim Eier hart kochen:-)

Die Eier also bei kleiner Hitze 8-10 Minuten hart kochen. 

 

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten:

 

Die Eier abkühlen lassen und in die jeweiligen ebenfalls kalten Färbeflüssigkeiten einlegen,

oder

Die Färbeflüssigkeiten erwärmen und die noch heißen hart gekochten Eier in den erwärmten Färbesud einlegen.

 

 

Die Zubereitung der Färbeflüssigkeiten:

 

Ich empfehle für die Zubereitung der Färbeflüssigkeiten entweder schwarze Töpfe, oder alte Töpfe zu verwenden. Auch wenn es sich um natürliche Farbstoffe handelt, so können diese doch Ränder, oder Flecken hinterlassen, die erst nach mehrmaligem Reinigen, oder Wiederbenutzen des Topfes gänzlich verschwinden. 

Welches Gefäß ich für die einzelnen Färbeflüssigkeiten verwende, hängt zum Einen von der Menge der zu färbenden Eier ab und zum Anderen wiederum von der Farbintensität des Suds.

Die Eier müssen vom Sud natürlich bedeckt sein. Da ich dieses Mal pro Farbe nur wenige Eier gefärbt habe, habe ich alte Teebecher und Hartplastik Trinkbecher, (Überbleibsel aus der „Als unsere Kinder noch klein waren“ Zeit), sowie einige kleinere Edelstahl-Schüsseln verwendet. 

Je nachdem, wie man Zeit und Ruhe hat, kann man die Färbeflüssigkeiten auch einen Tag vor der geplanten Färbeaktion vorbereiten und bis zum nächsten Tag im Kühlschrank aufbewahren.

Rotkohl klein geschnitten
Rotkohl klein geschnitten

Rotkohl (auch Blaukraut genannt)

Ein Rotkohl von ca. 500 g reichte mir zum Färben von etwa 5 Eiern.

Den Rotkohl so fein wie möglich schneiden und mit 1 Liter Wasser ca. 45 Minuten lang köcheln lassen. Danach abseihen durch ein Mehlsieb. Den gekochten Rotkohl kann man selbstverständlich in der Küche weiterverwenden.

 

 

Er ist zwar direkt nach dem Kochvorgang ziemlich blass blau, durch Zugabe eines Spritzers Essig wird er dann aber schön rosa und kann als Gemüse, oder Salat zubereitet werden.

 

Rote Bete

4-5 Knollen Rote Bete waschen und möglichst klein schneiden oder reiben. Ebenfalls mit 1 Liter Wasser ca. 45 Minuten kochen und durch ein feines Sieb abseihen. Auch die gekochte Rote Bete kann man in der Küche weiterverwenden.

 

Kurkuma Pulver

30 g Kurkuma Pulver (aus dem Gewürzregal des Supermarkts) mit 750 ml Wasser aufkochen. Versucht nicht, diese Flüssigkeit abzuseihen. Ich habe es mit Kaffefilter und Küchenpapier versucht, es verstopft sofort. Stattdessen werden hier die Eier nach dem Färbevorgang unter fließendem Wasser abgespült, um das restliche Kurkuma Pulver zu entfernen.

 

Färberkamille

Färberkamille, auch Hundskamille genannt. Falls ihr diese Pflanze in eurer Nähe findet, werden die Blütenblätter alleine verwendet, um einen sehr hellen und zarten Gelbton zu erreichen. Mit den ganzen Blütenköpfen ergibt es ein sehr zartes Hellgrün.

Ca. 30 Blütenköpfe mit ca. 1l Wasser aufkochen und einige Stunden ziehen lassen. Dann abseihen.

Oder Blütenblätter von ca. 30 Blüten ebenfalls mit ca. 1l Wasser aufkochen, ziehen lassen und abseihen.

 

Rote Zwiebelschalen

Zwei Hand voll getrockneter roter Zwiebelschalen in 1 Liter Wasser eine Stunde einweichen, dann 15 Minuten kochen und abseihen.

 

Spinat/Brennnessel

Drei Handvoll Spinat und Brennnesselblätter sehr klein schneiden und mit 1l Wasser 15 Minuten lang kochen, abseihen.

 

Pflanzenfarben Sud
Pflanzenfarben Sud

Bild oben von links nach rechts Farbsud aus:

Rotkohl, Rote Bete, Rote Zwiebelschale, Kurkuma, Färberkamille

 

Der große Moment der Farbexperimente ist gekommen! 

Die weißen Eier sind hart gekocht, die Färbeflüssigkeiten vorbereitet. Es kann also losgehen.

 

Nun ist allerdings etwas Geduld gefordert. Insbesondere, wenn man mit Kindern färbt, sollten diese darauf vorbereitet sein, denn nur beim Farbsud mit Kurkuma kann man sehr schnell ein Ergebnis bestaunen!

 

Wer noch ein besonderes Aha-Erlebnis haben möchte, der gibt vom Rotkohl- und vom Rote Bete Sud jeweils etwas in ein extra Gefäß, am Besten ein weißes, oder ein Glasgefäß und gibt nun tropfenweise noch Essig hinzu:

Der ursprünglich dunkelblau-violette Sud des Rotkohls und der dunkelrote der Rote Bete färben sich sofort zu Magenta-Pink. Je nachdem, wie viel Essig wir hinzu geben. Mehr als einen Teelöffel braucht es aber nicht.

 

Wir geben nun also in jede vorbereitete Färbeflüssigkeit so viele hartgekochte Eier, dass alle Eier mit Flüssigkeit bedeckt sind und stellen diese nun bis zu 24 Stunden in den Kühlschrank. Nach dieser Zeit ist das bestmögliche Farbergebnis erreicht. 

Ostereier mit Pflanzenfarben gefärbt
Ostereier mit Pflanzenfarben gefärbt

Immer wieder mal nachschauen, ein Ei mit einem Esslöffel aus dem Sud heben und bei Gefallen auch früher herausnehmen. Dadurch bekommt man unterschiedlich intensive Pastelltöne. 

 

Haben die Eier die gewünschte Tönung angenommen, mit einem Esslöffel oder Schöpflöffel aus den Flüssigkeiten nehmen und, am Besten nach Farbrichtungen sortiert, also Gelbtöne, Rottöne und Blau-Grüntöne separat, damit sie nicht gegenseitig abfärben, in verschiedene Mehlsiebe zum Abtropfen geben. 

Die Eier gut abtrocknen lassen (wer ungeduldig ist, so wie ich:-), darf hier gerne mit einem Haartrockner nachhelfen). Wenn die Eier von allen Seiten gut getrocknet sind, mit einem Taschentuch ein paar Tropfen Sonnenblumenöl aufnehmen und die Eier ringsum damit einreiben, dann mit einem trockenen Taschentuch nachreiben. So bekommen die Eier einen schönen matten Glanz.

 

So, und jetzt darf bewundert werden! Und dann gegessen.....

Ostereier gefärbt mit Pflanzenfarben
Ostereier gefärbt mit Pflanzenfarben

 

Mein Fazit: 

Die intensivste Farbe ohne Zugabe von Alaun oder Pottasche und die kürzeste Färbezeit erreicht man auf jeden Fall mit dem Gewürz Kurkuma. Das Pulver ist unschlagbar. Ein sehr intensives Sonnengelb ist hier das Ergebnis. Es hinterlässt aber auch die hartnäckigsten Farbspuren in den Behältern.

 

Am meisten verblüfft hat mich persönlich das Färben mit dem Rotkohl. So wunderschöne Blautöne!!! Für mich als absoluten Blau-Fanatiker eine ganz tolle Sache. Nächstes Jahr werde ich da auf jeden Fall das ganze Programm durchfärben. Inspiriert wurde ich dazu übrigens durch die tollen Bilder auf der Seite we love handmade!

 

Die roten Zwiebelschalen geben eine wunderbare Palette von roten bis rotbraunen Farbtönen. Da habe ich aus Zeitgründen aber nicht so viel experimentiert, was die Färbedauer und die Zugabe von Essig angeht.

 

Auch mit  Roter Bete habe ich phantastische Färbungen erzielt, je nach Färbedauer und Essigzugabe von Hellrosa/Hellrot bis dunkel Magenta und dunklem Braunrot.

 

Am schwächsten waren die Versuche mit Färberkamille und Spinat/Brennnessel. Dennoch gefielen mir das zarte Hellgelb und Hellgrün. Das Hellgrün ist übrigens das Ergebnis aus Färberkamille, Spinat und Brennnessel gemischt. 

 

Das orangefarbene Ei ist das Ergebnis einer Mischung aus dem Sud der roten Zwiebelschalen und dem Sud von Kurkuma.

Und dieses zart fliederfarbene Ei entstand aus einer Mischung von

Rote Bete Sud, Rotkohl Sud und ein wenig Essig. Außerdem hatte es nur etwa 2 Stunden im Sud verbracht.

 

 

 

 

 

 

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Ostereier färben mit Pflanzen, auch, wenn es vermutlich für 2019 nicht mehr klappen wird....

 

FROHE OSTERN!

Pflanzengefärbte Ostereier-Herbs and plant colored Easter Eggs
Pflanzengefärbte Ostereier-Herbs and plant colored Easter Eggs