Zur rechten Zeit am rechten Ort - Feiern in Griechenland

Wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, dann bietet in Griechenland auch ein weitab gelegenes Örtchen lebendige Alltagskultur, Lebensfreude und entspannende Stunden.

 

Der Zufall führte uns am 1. Mai in das kleine Bergdörfchen „Milies“.

Milies liegt im Norden Euböas, 15 km von der Gemeinde Istiaia entfernt, auf 460 Höhenmetern inmitten grüner Pinien- und Platanenwäldern und umgeben von

 

kleineren und größeren Bächen. Um das Dorf liegen zahlreiche Kirschbäume, die während ihrer Blütezeit einen wahrlich farbenprächtigen Anblick bieten.

Bei klarem Wetter hat man vom Dorf und der Umgebung aus eine prachtvolle Aussicht auf die Ebene von Istiaia, zum Kanal von Orei, auf den Süden des Pilion, auf den Golf von Volos und, wenn man sich noch höher in die Berge begibt, auch auf das ägäische Meer.

Historisch gesehen, entstand das Dorf aus der Verschmelzung zweier Siedlungen, Palaeovrissi und Karytsa, etwa zur Zeit des Falls von Konstantinopel. Überlieferungen berichten, dass die Bewohner damals ihr Dorf verließen und in den Pilion, Magnesia, flohen, wo sie gut geschützt, hoch oben in den Bergen und mit gutem Blick über das Meer, ein neues, gleichnamige Dorf Milies gründeten, um Überfällen der „Barbaren“ in ihrer ursprünglichen Heimatgegend zu entkommen.

 

Milies hat heute etwa 270 Einwohner, die meisten davon sind ältere Leute. Seit 1960 hat sich die Einwohnerzahl des Dorfes um beinahe die Hälfte verringert. Die abgelegene Lage zwingt viele der Jüngeren zur Abwanderung in küstennähere Regionen, oder in die größeren Städte. Neben der Viehzucht, sind Kirschen und der Retsina die Hauptprodukte des Dorfes.

Wasserfall
Wasserfall "Kremassi", Euböa, Griechenland

Versteckt in dichter Vegetation, auf einer rauen Stelle im Wald, unweit der Dörfer Milies - Agdines - Kryoneritis, befindet sich der Wasserfall Kremassi. Er wird von den Quellen der Xiria (Callas) gebildet. Zu erreichen ist er ausgehend von Milies, allerdings ist die Stelle sehr unzugänglich und nur mit Hilfe und Hinweisen der Einheimischen zu finden.

 

 

 

Für unternehmungslustige Abenteurer ist dies sicherlich eine Herausforderung, die belohnt wird durch die außergewöhnliche und wilde Schönheit des Ortes.

Wer mag, kann mit dem Routenplan von Google Maps auf eigene Faust versuchen, dieses Kleinod zu entdecken.

Drei Tavernen, bzw. Kafeneions beherbergt das kleine, aber hübsche Bergdörfchen.

 

 

 

Eine davon liegt auf der Plateia, dem zentralen Dorfplatz, der von einer mächtigen gespaltenen Platane beschattet wird. Hier fand auch das „Panigiri“, das Fest zum 1. Mai statt.

 

Das „Panigiri“ ist eine jahrhundertealte traditionelle Festivität, die im Freien und, vor allem auf den griechischen Inseln, zu Ehren des jeweiligen Schutzheiligen des betreffenden Dorfes zelebriert wird. Aber auch an nicht kirchlichen Feiertagen, wie dem 1. Mai, werden Panigiris abgehalten.

 

 

Zu einer gelungenen Feier gehören auf jeden Fall gutes Essen, (meist am Spieß gegrilltes Lamm, oder Zicklein, Tiropita, Salat und Brot), und Trinken, gute griechische, traditionelle Musik, oftmals von einer live spielenden Musikgruppe vorgetragen, oder aber liebevoll zusammengestellt und vom Band abgespielt, und natürlich…..der traditionelle griechische Tanz.

 

 

 

 

 

Die Festivitäten beginnen üblicherweise nach dem Ende der Messe, also um 11 Uhr morgens und dauern meist bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages.

 

In den Tanzrunden finden Jung und Alt zusammen, von den Allerkleinsten bis zum hochbetagten Rentner schwingt man gemeinsam das Tanzbein. Auch der Pfarrer des Dorfes dreht oftmals eine oder mehrere Runden mit.

 

 

 

Einheimische und Fremde tanzen gemeinsam im Reigen, reden, lachen und genießen diese lebensechte Freude, wilde Ausgelassenheit, oder auch melancholische Schwere, die in vielen alten Liedern durchklingen mag.

 

Auch in der heutigen Zeit, in der das Leben den Menschen in Griechenland, insbesondere auf dem Land, Einiges abverlangt, seit 2010 geschüttelt von der Wirtschaftskrise, mit einer Arbeitslosenquote von beinahe 21 %, gelingt es den Menschen, sich mit der Tradition der „πανηγύρι“, Panigiri, ein Stück Lebensfreude zu „ertanzen“, die für einige Stunden den Alltag vergessen lässt.

 

Wer ein Stück echtes Griechenland und unvergessliche Momente der Freude erleben will, der sollte auf keinen Fall eine der zahlreichen Festivitäten verpassen, die vom Frühjahr an, in vielen Dörfern und Städten Griechenlands stattfinden.

 

 

 

Das griechische Lied „ΠΩΣ ΤΟ ΤΡΙΒΟΥΝ ΤΟ ΠΙΠΕΡΙ“, (Aussprache „Pos to trivoun to piperi), ist auf Grund eines Ereignisses während der türkischen Besatzungszeit entstanden.

Das Lied ist heute humoristisch, gehört aber zu einer ganzen Reihe von Liedern und Tänzen, welche an die harte Besatzungszeit während der osmanischen Herrschaft entstanden sind. Es handelt sich hier um einen reinen Männertanz, der von Jungen und Alten zu Feierlichkeiten wie Karneval oder Panigiris getanzt wird. 

Während der Besatzungszeit wurden besonders die „Klephten“ verfolgt. Die Klephten waren ursprünglich Räuberbanden, die sich der türkischen Justiz aus verschiedenen Gründen entzogen, entwickelten sich im Laufe fer Zeit aber zu Widerstands- und Freiheitskämpfern.

 

Um 1804 herum, versteckte sich nun eine Gruppe Klephten vor ihren Verfolgern im Kloster von Moria. Der Abt des Klosters gab den Widerstandskämpfern Mönchskleidung, damit sie möglichst unerkannt blieben, falls die Verfolger auftauchen sollten. Was auch geschah.

Rechtzeitig bemerkt, versammelten sich die „unechten“ auf dem Dreschplatz des Klosters. Dort knieten sie nieder und taten, als würden sie Pfefferkörner des importierten schwarzen Pfeffers reiben……und zwar mit Händen und Knien.

So fand also das türkische Kommando die Situation beim Eintreffen im Kloster vor.

Was allerdings die eingetroffenen Soldaten nicht wussten, war, dass die angeblichen Mönche unter ihren Kutten ihre Waffen versteckt hatten.

 

Der Abt des Klosters gab dem türkischen Kommandeur gegenüber an, weder Klephtes gesehen zu haben, noch etwas von Räubern gehört zu haben

 

Der Kommandeur und seine Soldaten zeigten sich sehr erstaunt, ob der seltsam anmutenden Methode der Mönche, die Pfefferkörner zu mahlen. Der Abt aber erklärte, diese Mönche würden für ihren Ungehorsam bestraft, daher diese „Erziehungsmethode“, die harten Pfefferkörner unter den irrwirtzigsten Verrenkungen mit verschiedenen Körperteilen mahlen zu müssen. Um den Kommandeur, der immer noch recht skeptisch war zu überzeugen und zu unterhalten, befahl der Abt nun seinen „Mönchen“, den Pfeffer mit dem Hinterteil, mit der Nase, mit der Zunge, und noch so einigen anderen Körperteilen zu mahlen.

 

Die Klephtes waren derart überzeugend in ihrem Theaterspiel, dass der Verfolgungstrupp die Waffen niederlegte und sich köstlich über die dargebotene „Show“ amüsierte.

 

Kaum hatten sie die Waffen niedergelegt, sang der Abt die Strophe: 

"Άιντε για σηκωθείτε παλικάρια με σπαθιά και με χαντζάρια"

(Macht Euch bereit, Burschen, steht auf mit Schwertern und Haken)

 

So schnell standen die unechten Mönche auf und zogen ihre Waffen, dass die Soldaten umgehend überwältigt wurden, ohne auch nur Widerstand zu leisten.

 

Die Schlauheit des Abtes und die Tapferkeit der rebellischen Widerstandskämpfer wurden zur Legende, aus dem dieses Lied dann entstand. Der Tänzer mit dem Gürtel, manchmal auch einer Peitsche, in der Hand steht also stellvertretend für den schlauen Abt, der angeblich seine Mönche bestraft.