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Plädoyer für 30 Beine

Spinnenläufer - Scutigera coleoptrata
Spinnenläufer - Scutigera coleoptrata

Obwohl er zu der Familie der Hundertfüßer gehört, hat der Spinnenläufer nur 30 Beine.

Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammend, wurde der Spinnenläufer durch den Menschen auch in andere Gebiete eingeschleppt und taucht auch in Deutschland vermehrt in Weinbergen, aber auch in Häusern in städtischen Gebieten auf.

Grusel-Berichte über dieses Tier häufen sich, obwohl es ein Nützling ist.

 

 

Aber ist diese Panik gerechtfertigt?

 

Von abartigem Schreckenstier ist in den Berichten die Rede, von einer unheimlichen Kreatur, einem Alptraum für Menschen, Anfragen zur Giftigkeit häufen sich und wie man den "Feind" töten könne.

 

Was ist dran? Ist der Spinnenläufer tatsächlich ein kleines Monster?

Wir sind der Meinung: Mitnichten! Er ist ein Nützling und zwar in Feld und Haus!

Scutigera coleoptrata-Der Spinnenläufer
Scutigera coleoptrata-Der Spinnenläufer

Der Spinnenläufer hat trotz seines Namens, den er vermutlich wegen seiner langen Beine bekam, nichts mit Spinnen zu tun. 

In Berichten wird immer wieder von seiner erschreckenden Größe berichtet.

Leider "vergessen" die Berichterstatter aber oftmals, zu erwähnen, dass die von ihnen beschriebene Größe sich auf die Gesamtgröße INKLUSIVE der Beine bezieht.

 

Die tatsächliche Größe des Körpers beläuft sich nämlich auf gerade einmal 2,5 bis 3 Zentimeter. Um die maximale  Gesamtgröße von 10 bis 15 Zentimetern, die häufig in Berichten erwähnt wird messen zu können, müsste man den Spinnenläufer erst einmal dazu bringen, sich brav hinzusetzen und dabei seine sämtlichen Beine auszustrecken. In lebendem Zustand dürfte es schwer fallen, die Länge von 15 Zentimetern zu messen. 

Unser Wohnzimmer Mitbewohner_Der Spinnenläufer
Unser Wohnzimmer Mitbewohner_Der Spinnenläufer

Der Spinnenläufer ist ein nachtaktiver Jäger. Er jagt alles, was kriecht und fliegt und er ist unersättlich! Spinnen, Asseln, Ameisen, Silberfischchen, Kakerlaken......

Keines dieser Tiere ist vor ihm sicher.

 

Wir Menschen hingegen sind es....es sei denn, wir greifen ihn an, oder treten versehentlich auf ihn, was angesichts seiner Schnelligkeit allerdings selten vorkommen dürfte.  Wenn doch, dann wird er sich wehren, sprich, er beißt zu.

 

 

Sein Biss ist in etwa vergleichbar mit dem Stich einer Wespe, oder einer Biene.

So wie ein gesunder, nicht allergischer Mensch (oder auch Hund, Katze), auf einen Wespen/Bienenstich reagiert, so ungefähr sollen auch die Reaktionen auf den Biss eines Spinnenläufers sein. Also Schwellung und Rötung und den spürbaren Schmerz für einige Zeit. 

 

In der Wissenschaft ist es aber noch umstritten, ob es diesen Tieren mit ihren Beisswerkzeugen überhaupt gelingen würde, die menschliche Haut zu durchdringen. Insbesondere, da vermutlich am ehesten der nackte Fuß "gefährdet" ist, mit diesem Tier in Berührung zu kommen und unsere Füße doch eine recht stabile Hautschicht aufweisen. Spinnenläufer sind nachtaktive Jäger, tagsüber sieht man sie kaum, es sei denn, sie fühlen sich sehr sicher, so wie bei uns und halten es nicht für nötig, sich zu verstecken.

Wir haben derzeit zwei gesichtete Exemplare in unserem Haus. Einen im Wohnzimmer, einen im Badezimmer. 

Wir leben in einem Land, in dem es gleich mehrere Arten von Tieren gibt, die schmerzhaft beißen, oder stechen können. Aber in den dreißig Jahren, die wir bereits hier sind, kam es nur zwei Mal zu "Biss-Unfällen: Und zwar beide Male mit dem Mittelmeerskolopender, der zum Einen leider gelegentlich auch in Häusern auftaucht und zum Anderen, je nach Außentemperatur, dann auch schon mal den Weg ins menschliche Bett finden kann. Wir haben darüber bereits, (unter anderem) berichtet. Sein Biss ist tatsächlich sehr schmerzhaft, denn er verfügt über einen unangenehmen Giftcocktail. 

Mit dem Spinnenläufer hingegen können wir gut leben. Wir lassen ihn in Ruhe seinem "täglich Brot" nachgehen und er hält uns dafür das Haus frei von anderen Insekten.

 

Und hässlich finden wir ihn gar nicht! Wer nicht gerade unter einer Phobie leidet, der kann sich mit ihm auf Distanz gut anfreunden. 

Wer ihn überhaupt nicht im Haus dulden mag, der kann versuchen, ihn mit einem großen Glas einzufangen und ihn irgendwo weiter weg vom Haus wieder aussetzen.

Aber: Dafür muss man wirklich schnell sein! Denn mit 50 cm pro Sekunde ist er ein absoluter Sprinter unter den Hundertfüßern. Deswegen gibt es auch kaum ein Video, wo der Spinnenläufer in Echtzeitbewegung zu sehen ist. Wir haben auf jeden Fall keines gefunden:-)

 

Hoffentlich konnten wir den Einen oder Anderen von Euch mit unserem Plädoyer überzeugen, dass dieser 30-füßige Jäger für uns Menschen keine wirkliche Gefahr darstellt. Wenn ihr einen solchen als häuslichen Mitbewohner habt, dann heißt es eben auf den Boden schauen, wenn man des Nachts barfuß auf die Toilette marschieren möchte, oder Hausschuhe zu tragen, damit man sich nicht ins Gehege kommt.

 

Und ein Trost für die Ängstlicheren unter Euch sei doch zumindest diese Information hier noch:

 

Vor circa 300 Millionen Jahren sind noch solche netten Viecher auf der Erde herumgewuselt! (Foto unten)

Ein Gliederfüßer mit bis zu schlappen 2,5 Metern Körperlänge....was sind da schon die 2,5 bis 3 Zentimeter reine Körperlänge des Spinnenläufers:-)!

 

Arthropleura-Wikipedia
Arthropleura-Wikipedia