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Von einer "Ameise, die einen zum Schreien bringt"

Ronisia brutia, auch Ameisenwespe, Bienenwespe, Bienenameise, oder eben Spider wesp genannt.
Ronisia brutia, auch Ameisenwespe, Bienenwespe, Bienenameise, oder eben Spider wesp genannt.

Da liegt man am frühen Morgen noch ganz entspannt im Bett und liest, da huscht plötzlich etwas sehr flinkes und farbenfrohes durch das Blickfeld, was da eindeutig nicht hingehört.

 

Nachdem ich dieses flotte Insekt eine Weile verfolgt habe, gelang es mir, mit Hilfe meines Wasserglases und einer Zeitung, es einzufangen und nach draußen zu transportieren, wo ich dann ganz schnell mit meinem Handy zwei Erstfotos geschossen habe.

Ihr kennt mich ja, ich will immer gleich wissen, mit wem ich es zu tun habe!

 

Diese kleine Tierchen hat mich geschlagene 3 Stunden Recherche gekostet!

Hätte ich auf den ersten Blick nicht erwartet!

Die Einteilung als Insekt erschien mir erst recht logisch, da drei Beinpaare vom Brustkorb aus, die Dreigliederung des Körpers, aber...wo sind die Flügel??

 

Keine Flügel!

Also suchen nach flügellosen Insekten. Da gibt es ja auch Einige, aber nach Silberfischen & Co, sah dies hier auch nicht aus! Spinne geht auch nicht, die haben ja 8 Beine, also was denn nun?

 

 

Also habe ich mich auf einer Insekten Seite angemeldet und mein Foto gepostet. Bis meine Bitte um Aufnahme im Forum angenommen wurde, suchte ich dann noch ein bisschen weiter und zwar unter Spinnentiere. Und seltsamerweise wurde ich da bei der Bildersuche sehr schnell fündig. Seltsam deswegen, weil dies hier kein Spinnentier ist, sondern eine außergewöhnliche Wespenart, nämlich eine Ronisia brutia, auf Deutsch auch Ameisenwespe genannt, Bienenwespe, Bienenameise oder auf Englisch manchmal auch spider wesp. 

Zu ihren verschiedenen und sehr vielfältigen Trivialnamen kamen diese Wespen vermutlich aus dem Grund, da einige Sorten von ihnen in Bienenstöcken oder Ameisennestern parasitieren. Oder vielleicht aber auch, weil ihr Aussehen irgendwie ein bisschen was von Ameise und Biene hat.

In Ameisennestern dürfen sie gerne werkeln, es gibt genug davon hier, aber was die Bienenstöcke angeht, da hoffe ich mal, dass die diesbezüglichen Berichte und Dissertationen recht haben, die da aussagen, dass seit 1935 nichts mehr darüber bekannt wurde und daher davon ausgegangen werden kann, dass es heute keine Probleme mehr damit gibt. Näheres darüber hier auf Wikipedia.

Ronisia Brutia, Ameisenwespe
Ronisia Brutia, Ameisenwespe

Wie diese Wespe zu einem anderen Trivialnamen kam:

 

Samtameise (Velvet ant)

ist leicht nachzuvollziehen, wenn man die samtene, glänzende Körperbehaarung betrachtet.

Rostrot der Kopf und der Brustkorb, schwarz mit goldglänzenden Punkten der Hinterleib.

 

Eine Schönheit ist sie wirklich!

Und es ist auch tatsächlich eine SIE, das zeigt die Flügellosigkeit.

Die männlichen Ameisenwespen dürfen fliegen, die Frauen müssen laufen!

 

Umso mehr wundert es mich, wie die Dame es geschafft hat bis in mein Schlafzimmer und auf meinen Nachtschrank zu kommen.

 

Eine begeisterte Kletterin ist sie wohl nicht, wie ich beobachten konnte.

 

 

 

Nachdem ich nach Stunden endlich geklärt hatte, wer meine Besucherin war, und beschloss, mich auf meine Terrasse zu setzen, die Nachmittagssonne zu genießen und dabei diesen Artikel zu schreiben, stellte ich nämlich fest, dass sie immer noch da war. Ich hatte sie auf dem Tisch fotografiert und sie hatte sich da jetzt unter einem Küchentuch verkrochen, weil es ihr in der Sonne zu warm wurde.

Ronisia brutia, Ameisenwespe
Ronisia brutia, Ameisenwespe

Ich habe sie dann auf den Boden gesetzt, da hätte sie noch eine 15 cm Stufe überwinden müssen, um auf die richtige Terrassenfläche zu kommen, mit freiem Zugang zum Gelände, aber das hat sie sich nicht getraut!

So sauste sie vom einen zum anderen Ende und nutzte die Gelegenheit, sich ausführlich zu putzen.

 

Da Madame also nicht bereit war, sich von dannen zu begeben, und da ich ein Barfußläufer bin, und da die Nähe zur Haustür mir dann doch etwas kritisch war, und letztendlich: da ihre weiteren fantasievollen Trivialnamen darauf schließen lassen, dass man weltweit doch sehr großen Respekt von ihr hat, habe ich sie dann also irgendwo ins Gelände entlassen.

 

Sie ist nämlich nicht nur schön, sie hat auch eine außergewöhnlich schmerzhafte Giftmischung in sich!

Ronisia brutia, Ameisenwespe
Ronisia brutia, Ameisenwespe

Cow killer, mule killer oder in Cherokee:

“da sán tali atasán ski” (stechende Ameise), wird sie auch genannt.

 

Am nettesten finde ich aber diese Bezeichnung in Quechua:

"sisi huakan ñahui", also die "Ameise, die einen zum Schreien bringt".

 

Und was bitte schön, wollte also diese Ameise, die mich zum Schreien bringen könnte ausgerechnet in MEINEM SCHLAFZIMMER??

 

Die wollte mich doch wohl nicht als Wirt benutzen, um parasitär ihre Eier ablegen zu können?

So schön sie auch ist, ich will mal hoffen, dass sie nicht wieder in der Nähe meines Hauses auftaucht:-)

 

 

Ameisenwespen sind im Übrigen auch dafür bekannt, dass sie sich farb- und formenmäßig ausgesprochen gut anpassen können. So entstehen teils skurrile Gestalten, siehe Link.

 

Viele weitere Informationen finden Sie hier: 

Wikipedia-Ameisenwespen

 

Und hier gibt es eine 24-seitige Dokumentation, in der sehr ausführlich über Namensgebung und wissenschaftliche Erkenntnisse, die man bis heute über die Spezies der Mutillidae, der Ameisenwespen gewonnen hat, berichtet wird:

Mutillidae

 

Spinnenläufer, Scutigera coleoptrata
Spinnenläufer, Scutigera coleoptrata

Und als Bonuspunkt gibt es heute noch den "Spinnenläufer"

 

Ein sehr graziles Wesen, welches bei vielen Menschen aber Ekel auslöst, oder Angst und Schrecken verbreitet. 

 

Gut, im Bett möchte ich auch ihn nicht haben, aber da er Spinnen, Mücken und sonstiges Ungeziefer frisst, ist er mir, zumindest außerhalb des Schlafzimmers, schon recht willkommen. 

 

Er hat zwar auch keine Flügel, läuft aber eher in der Senkrechte, als auf dem Fußboden, sodass ich trotzdem barfuß laufen kann:-)

 

 

 

Weitere Infos hierzu:

Wikipedia Spinnenläufer

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