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Einblicke in eine traditionelle Tsipouro-Brennerei

Tsipouro.....viele haben ihn hier bei uns in Lichada schon gekostet und lieben gelernt.


Aber kaum einer hatte je Gelegenheit, ein bisschen hineinzuschnuppern in die Atmosphäre, wenn der Tsipouro im Winter in der kleinen Schnapsbrennerei gebrannt wird, die keine 10 Schritte von uns entfernt steht!

Wenn Tag und Nacht für Tage oder Wochen, je nach Menge, der Ofen befeuert wird.


Der Tsipouro (griechisch Τσίπουρο) ist ein traditioneller griechischer Tresterbrand der in vielen Regionen des Landes hergestellt wird.

Ursprünglich ein "Arme-Leute-Schnaps" hat er sich heute einen festen Platz selbst in den Supermärkten erobert.

Tsipouro wird aus den Pressrückständen der örtlichen Rebsorten zwei- bis dreimal destilliert. Teilweise wird dann auch noch Anis hinzugefügt, je nach Gegend auch Feigen oder andere Gewürze.

Die "Tsipouradika" sind dann die Tavernen, die sich auf genau diesen Schnaps spezialisiert haben und ihn mit kleinen "Mezedes", das sind Appetithäppchen aus regionalen Spezialitäten servieren.


Der erste Tresterschnaps wurde vermutlich etwa im 14. Jahrhundert von Mönchen des Athos Klosters hergestellt. Und für viele Jahrhunderte lang wurde er ausschließlich in kleinen Hausbrennereien produziert.



Der Trester, also der Rückstand der aus der Weinherstellung übrig bleibt, wird ca. 1 Monat lang vorvergoren.

Das nun bereits leicht "alkoholisierte" Gemisch wird dann destilliert, umgangssprachlich als "gebrannt" bezeichnet.


Es wird in einen Brennkessel gegeben, welcher von unten durch ständiges Befeuern langsam erhitzt wird und dessen Dämpfe dann durch ein Rohrleitungssystem zu einem Auffanggefäß geführt wird.

Dieses Rohrsystem durchläuft nun einen mit Wasser gefüllten Kessel, insgesamt sind es in unserer Dorfbrennerei etwa 24 Meter Rohr, die spiralförmig in dem Wasserkessel (rechts im Bild) liegen.


Der Kessel wird ständig mit kaltem Frischwasser nachgefüllt wird, so dass der im Rohrsystem enthaltene Dampf in dem kühlen Wasser kondensiert und schlussendlich als klarer Alkohol in ein Auffanggefäß tropft.


Damit der Tresterschnaps aber noch ein paar Prozente mehr Alkohol bekommt und klarer und somit bekömmlicher wird, wird er mindestens noch ein zweites Mal destilliert.


Für die Betreiber der kleinen Brennerei in unserem Dorf bedeutet das dieses Jahr, ca. 14 Tage lang 24-Stunden Schicht. Ständig muss der Ofen befeuert werden, Druck und Temperatur kontrolliert und Trester nachgefüllt werden.



So beginnt auch die eigentliche Arbeit bereits Wochen vorher, wenn bereits die benötigten Holzvorräte angelegt und vorbereitet werden.
















Wie auch in vielen anderen traditionellen Schnapsbrennereien, geht auch hier das Handwerk vom Vater zum Sohn über. Hier sitzen gerade die beiden letzten von insgesamt drei Generationen beim Mittagsmahl zusammen.


Da rund um die Uhr jemand anwesend sein muss, wechseln sich Vater und Sohn ab. Es wird in der Brennerei gegessen, gekocht, geschlafen und es werden Neuigkeiten ausgetauscht mit den vielen Besuchern, die auf ein Schwätzchen vorbeikommen.


So wie auch ich...


Eigentlich wollte ich ja nur den Müll kurz raus bringen......was kann ich denn dafür, dass die Brennerei in unserer Nachbarschaft steht, und dass die ganze Familie gerade anwesend war, und dass gerade Mittagszeit war, und dass man mich nahezu gezwungen hat, auf einen Tzipouro und ein bisschen "Meze" (Vorspeise, Appetithappen, oder auch einfach nur Mahlzeit) mit an den Tisch zu sitzen!:-)


Da konnte ich doch auf keinen Fall "Nein" sagen! Das wäre ja geradezu unhöflich gewesen!





Fröhlich gestärkt ist hier schon manch ein Gast wieder herausgegangen. Tag und Nacht kommen Besucher vorbei. Freunde, Verwandte, und manchmal stolpern auch Fremde hier herein (oder.....nach ein paar spendierten Probiergläschen eben auch heraus:-) Er hat halt was, dieser Tsipouro.

 

So manch ein Dichter wurde schon inspiriert, aber auch viele Sänger!

Eigentlich wäre ja jetzt, so kurz vor Weihnachten ein Liedchen, gemäß "In der Weihnachtsbäckerei......tralala..." angebracht.

 

Ich glaube, nach meinem kurzen, aber entspannten Βesuch in fröhlicher Runde, kommt mir ein:

"In der Tsipourobrennerei...tralala", doch irgendwie leichter über die Lippen!

 

In diesem Sinne: Er möge auch dieses Jahr wieder gelingen, der Tsipouro der Familie Chatzi, dank Antonis, dem Seniorchef, und dem Junior Kosta. Der immer wuselnden Mutter Chrisoula, und Lena, Kostas Frau, die ihren Mann derzeit, wenn sie ihn sehen möchte, wohl oder übel, in der kleinen Brennerei besuchen muss.

 

Danke, für eure liebenswerte Runde! Σας ευχαριστω για την παρεα και φιλοξενια σας!

 

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