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Frühling im Herzen!

"Einst sprang eine weiße Anemone aus dem Boden..... getränkt von den Tränen der Venus für den Toten Adonis."

(Venus und Adonis sind ein berühmtes antikes Liebespaar)

 

Aber auch die hier bei uns auf Evia, Griechenland, vertretene hell- bis dunkelrosa und rote Kronen-Anemone (Anemone coronaria), oder Garten-Anemone ist, eine Vertreterin der Gattung des Windröschens.

 


Anemonen


Sie sprießen licht aus Waldesnacht,

Ohne reichen Duft, ohne Farbenpracht,

Unter den großen, alten Bäumen,

Über das Moos wie flutend Träumen:

Wann der Wind vorüber streicht,

Neigen sie ihre Köpfchen leicht,

Aber wo die Sonne licht

Durch die Blätterkronen bricht,

 

Saugen sie all das goldige Scheinen

Sehnsuchtsvoll in den Kelch, den kleinen.

So blühen sie scheu, ohne Glanz und Pracht:

Die lichten Kinder der Waldesnacht.

 

Therese Dahn

(1845 - 1929), geb. Therese von Droste-Hülshoff, deutsche Schriftstellerin, Nichte der Annette von Droste-Hülshoff, Ehefrau von Felix Dahn

Quelle: Felix & Therese Dahn »Gedichte« - erschienen 1899 

 

 

 

 

 

Venus und Adonis

Adonis ist so schön, dass sich selbst Venus in ihn verliebt. Zum jungen Mann herangewachsen, wird Adonis auf der Jagd von einem Eber getötet (nach anderen Quellen durch den eifersüchtigen Mars in Gestalt eines Ebers). Über den Verlust ihres Geliebten untröstlich, lässt Venus aus seinem Blut eine Blume sprießen, das Adonisröschen. Einen Teil des Jahres verbringt Adonis von nun an im Reich der Proserpina in der Unterwelt, den anderen Teil des Jahres als Blume im Reich der Lebenden.

Deshalb ist die Anemone, neben dem Symbol der Einfachheit, auch ein Symbol des Vergänglichen, der Schönheit, die nicht von Dauer ist, Zerbrechlichkeit, Schlichtheit und Einsamkeit.Sie ist auch ein Symbol für Erwartung und Hoffnung, Enttäuschung und Vergänglichkeit, die Passion Christi, das Blut der Heiligen.

Die Anemone wird auch Buschwindröschen, windflower, granny's nightcup, Geißemaie, Adonisblut oder Blutstropfen Christi genannt.

Die ersten Frühlingsblumen sorgen immer für eine Explosion der Gefühle! Sie weiten uns das Herz, die erste Frühlingspracht gibt neue Kraft, weckt den Geist und stärkt alle Sinne!






Das schönste Frühlingserlebnis hier in Griechenland, ist jedes Jahr die Farbenpracht der wilden Anemonen, die urplötzlich, von einem Tag auf den anderen zu Hunderten aufblühen, und damit förmlich zu explodieren scheinen!


Gleichzeitig symbolisiert die kurze Blütezeit der Anemone die Vergänglichkeit alles Schönen. Der Name "Anemone" kommt im Übrigen aus dem Griechischen: anemos, der Wind.


Rot gefärbt mit dem Blut des Adonis, trägt der Wind die Blütenblätter und Samen der Anemone weit mit sich und sorgt so für die teilweise flächendeckende Verbreitung der Anemonen in den ungespritzten Gegenden. 






Anemonen gibt es in vielen Formen und Farben, von beinahe lila, über tiefrot zu zartrosa, und wiederum beinahe weiß! Beinahe alle Anemonen enthalten den Giftstoff Anemonol, welches vor langer Zeit noch als Zauberkraut galt. Allerdings kann es, zusammen mit einem anderen enthaltenen Stoff, dem Anemonin zu schweren Darmentzündungen führen. 

 

Schenkt man Anemonen, bedeutet dies:

Entflamme mit deiner Eifersucht nicht meinen Zorn. 



Anemonen


Wie die Frauen

Zions wohl dereinst beim matten Grauen

Jenes Trauertags beisammen standen,

Worte nicht mehr, nur noch Tränen fanden;


So noch heute,

Stehen als in ferne Zeit verstreute

Bleiche Zionstöchter,Anemonen,

In des Nordens winterlichen Zonen.


Vom Gewimmel

Dichter Flocken ist er trüb der Himmel;

Traurig stehen sie, die Köpfchen hängend,

Und in Gruppen sich zusammendrängend.



Also einsam,

Zehn und zwölfe hier so leidgemeinsam,

Da und dort verstreut auf grauer Oede,

Weiße Tüchlein aufgebunden Jede.


Also trauernd,

Innerlich vor Frost zusammenschauernd,

Stehn alljährlich sie als Klagebildnis

In des winterlichen Waldes Wildnis.

Christian Wagner (1835 - 1918)

 

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