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Wildgemüse- Leben mit und aus der Natur

Als Wildgemüse bezeichnet man wild wachsende, einjährige oder mehrjährige Pflanzen, die essbar sind.

Die Pflanzen oder Pflanzenteile von Wildgemüse werden meist gekocht verzehrt und besitzen ein intensives Aroma. 

 

In Griechenland gibt es einen Überbegriff für die meisten Arten der essbaren Wildgemüse. Sie werden "Chorta" (griechisch χόρτα), genannt. Das Wort bedeutet übersetzt eigentlich „Kraut“. Das griechische Wort 

Meerfenchel-Crithmum maritimum
Wilder Meerfenchel-Kritamos-Griechenland

chortasmenos (χορτασμένος - satt) gehört übrigens demselben Wortstamm an. 

Je nach Jahreszeit und landschaftlichen Bedingungen werden hier in Griechenland, unabhängig ob in ländlichen oder städtischen Bereichen, von Klein und Gross, von Mann und Frau, verschiedene dieser Chorta gesammelt. Es gehört in den feuchteren Jahreszeiten von Herbst bis zum Frühjahr, zum typischen Bild, dass man Menschen sieht, ob alleine oder in fröhlich sich unterhaltenden Gruppen, die durch die Landschaft ziehen, bewaffnet mit kleinen Messern, um die Wildgemüse zu sammeln. Selbstverständlich wissen schon die Kleinsten, dass man die Pflanzen nicht mit der Wurzel ausziehen darf, wenn man diese denn auch noch im kommenden Jahr genießen möchte!

Die jungen Pflanzen werden oberhalb der Wurzeln aus dem Erdreich abgestochen/geschnitten. Selbst entlang der Strassenränder, dies überwiegend in den städtischen Gebieten, sieht man die Sammler, wenngleich auch der Gesundheitswert dieser, entlang der Strassen gesammelten Wildgemüse angezweifelt werden darf. Aber die Chorta sind, insbesondere in Zeiten der Krise, dennoch für einen großen Teil der Bevölkerung eine wichtige und willkommene Bereicherung der Speisekarte, denn Lebensmittel sind teuer!

Da geht es der Bevölkerung hier auf dem Land natürlich besser. Man ist mit wenigen Schritten draußen in freier Natur, fernab von Industrie und Strassen und wo immer man auch sammeln geht, man wird immer auf Gesellschaft treffen!

 

Wir persönlich haben es da noch einfacher. Da wir unser eigenes Grundstück natürlich wachsen lassen, ohne zu spritzen und darüber hinaus auch besonders darauf achten, dass wir nicht mähen, bevor die Samen die Gelegenheit hatten, sich für das nächste Jahr auszubreiten, ist unser eigener Grund und Boden ein reicher Lieferant für verschiedenste Wildgemüse und Wildkräuter. 

Wurzeln und Jungpflanzen der Wegwarte  (Cichorium intybus) etwa zählen zu den Wildgemüsen, der dem Spinat ähnliche Amaranth (Amaranthus, grüner und roter), in Griechenland "Vlita" (βλήτα) genannt, der sich auch in angelegten Gärten ungefragt vermehrt, Blütenstände wilder Kohlarten, Löwenzahnarten



oder der weltverbreitete Portulak (γλυστρίδα, „Glystrida“), aber auch der im Juni sammelbare Meerfenchel, der Kritamo (Κριθαμο). 

Einige der gesammelten Wildgemüse sind bitter, werden daher meist gemischt verarbeitet, wie etwa der Löwenzahn, der Ackersenf oder die Gemüsegänsedistel und die Wegwarte

Es gibt noch eine weitere Vielzahl der speziell in ländlichen Regionen verwendeten Wildgemüse. Dazu gehören u.A. noch die Haferwurzel, auch Purpurbocksbart genannt, der weisse Senf, die Ackerdistel, das Bitterkraut-Schwefelkörbchen, dasgewöhnliche Hirtentäschel, oder die Schopfige Traubenhyazinthe, von der die unterirdischen Zwiebeln verwendet werden, der Acker-Rettich,  die Mariendistel, die  Ringelblume, der Gewöhnliche Reiherschnabel, die Wilde Möhre, der Ampfer, dieWilde Malve,  der Borretsch,  der Venuskamm, der Nickende Sauerklee, der nur in geringen Mengen verwendet wird (hoher Oxalsäuregehalt), der Klatschmohn (Nur Blütenblätter und sehr junge Blätter), die spanische Golddistel (Wurzelgemüse), Wilder KnoblauchGrüner Wildspagel, und der Wildfenchel.

 

Chorta wird immer gekocht, mit Olivenöl, Zitronensaft und Gewürzen verfeinert, lauwarm oder kalt als Salat verzehrt. Chorta gilt als extrem mineralstoff- und vitaminhaltig und sehr gesund. 

 

Wilder grüner Spargel Griechenland
Wilder grüner Spargel Griechenland

Ausser den genannten Kräutern kann man aber auch Pilze sammeln.

Dazu allerdings sollte man sich allerbester Erfahrung und Kenntnisse erfreuen.

Auf Grund der mittlerweile mehrjährigen Krise in Griechenland, versuchen immer mehr Menschen, die zur ärmeren Bevölkerung Griechenlands zählen, die Speisekarte durch selbst Gesammeltes aus der Natur aufzuwerten, was in den vergangenen zwei Jahren zu einer Zunahme durch Pilzvergiftungen geführt hat.

 

Wir selber sammeln nur zwei Pilzarten, die wir sicher kennen.

Das ist zum einen der als nicht besonders hochwertig geltende Scheidling, welcher hier in unserer Gegend allerdings sehr schmackhaft ist. Er wird nach der gründlichen Reinigung einfach mit viel Zwiebeln und Knoblauch in bestem Olivenöl in der Pfanne angebraten, gesalzen und dann mit Wildgemüse und frittierten Kartoffeln, oder als Beigabe in Omelette verzehrt. 

Desweiteren haben wir persönlich hier das Glück, dass sich auf unserem Grundstück ein Austernpilz in einem Maulbeerbaum heimisch fühlt, der uns im Winter dann mit "Pilz Nachschub" versorgt.

Speisepilz Scheidling-Griechenland
Speisepilz Scheidling-Griechenland