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Die Geschichte einer Rettung-Kafeneion "Kyma" Edipsos

Wir freuen uns riesig, zu sehen, dass dieses wahrhaftig historische "Gebäude", denn es ist bereits auf den ersten, noch in schwarz-weiß gehaltenen Fotografien des Kurortes Edipsos, (einem Kurort mit schwefelhaltigen Thermalquellen, etwa 35 km von uns entfernt) zu sehen, endlich restauriert wurde und auch wieder genutzt wird. Wenngleich auch nicht mehr als Café, sondern als Ausstellungsraum für Kunst und Kultur.

Fotografien und Gemälde junger Künstler, Zeichnungen von Schülern des Bezirks werden hier nun der Öffentlichkeit zugängig gemacht, aber auch Lesungen und Buchvorstellungen werden abgehalten.

Eine schöne Aufgabe, die dem "neuen-alten Kyma" würdig ist!

  

Das "Kyma", welches genau gegenüber eines der berühmtesten Hotels in Edipsos, dem "Istiaia" liegt, wurde etwa zeitgleich mit dem 2. Obergeschoss des Hotels erbaut, also ca. zwischen 1924 und 1930. Jahrelang war es der Mittelpunkt des Vergnügens in Edipsos: Kaffe trinken (griechischer Produktion noch damals, aus Kichererbsen oder Gerste hergestellt), oder Tsipouro, den griechischen Schnaps aus Traubentrester, Brettspiele oder Karten spielen, Musik hören.

Eduardo Vicente Bianco, auch genannt Ed Bianco, und sein argentinisches Tango-Orchester spielten hier und gaben dem "Kyma" ein Stück internationalen Flair und Glamour, wie auch viele andere berühmte Persönlichkeiten, die Edipsos als Kurgäste besuchten.

 

Dann, während der Besatzungszeit zwischen 1941 und 1944, ging es erstmals rapide bergab mit dem Café "Kyma". 

Der griechische Kaffe war verpönt unter den Besatzern. Nur noch einige Nostalgiker waren geblieben, die Kaffe tranken, ohne Zucker, denn der war rar in jenen Jahren. Der Tresterschnaps mit den "Kavros", den kleinen eingelegten Fischchen war geblieben und einige wenige andere regionale Produkte waren geblieben und so wurde nur noch an wenigen Tischen gespielt.

 

Café Kyma Edipsos 2015. © Photo by Nikos Zagas (www.zagas.eu)
Café Kyma Edipsos 2015. © Photo by Nikos Zagas (www.zagas.eu)

Gegen Ende der Besatzungszeit gab es einen erneuten Aufschwung für das "Kyma".

Ouzo 12 wurde erstmals auf der Terrasse des "Kyma" der Öffentlichkeit von Edipsos angeboten. Die berühmten "Glyka koutaliou", (γλυκα κουταλιου), die "Löffelsüßigkeiten, die aus in Sirup eingelegten Früchten bestehen, wurden neu angeboten.

 

 

 

Hinzu kamen die auch heute noch bekannten Kaffeemarken, wie Bravo, oder Lomidis, welche die alteingesessenen Kaffeeproduzenten des Ortes verdrängten. Das "Kyma" nahm wieder seine Position ein in Edipsos!

 

Die Kundschaft allerdings, begann sich nach und nach zu verändern. Nun waren es überwiegend die Spieler. Kartenspiele wie Coon Can (Κουμ Καν), Pinnacola (Birimba-μπιρίμπα) und immer öfter auch Poker, waren es, die nun die Kundschaft an mit grünem Filz bedeckten Tische zog und sie für viele Stunden dort fest hielten.

Nun waren es nichte mehr nur Männer, sondern Menschen beider Geschlechter und vieler Altersgruppen, die vom Kafeneion "Kyma" angezogen wurde.

Bis ca. Ende der 70er Jahre war das Café noch in Betrieb, danach begann der endgültige Verfall.

Die obigen Fotos entstammen dieser Seite

 

Nach jahrzehntelangen Differenzen zwischen den Besitzern, nach mehrfachen öffentlichen Aufrufen von Denkmalschützern und Griechenlandliebhabern, ging es, 2014, sozusagen "5 vor 12" endlich los mit den Renovierungsarbeiten und seit Sommer 2016  steht es wieder in alter Schönheit auf seinem Sockel im Meer. Das "Kyma" wird heute nur noch für Ausstellungen genutzt.

 

Wie viele schöne Erinnerungen habe ich persönlich (Annette Giordano) an dieses "Kafeneion"! Wann immer wir hier in Urlaub waren.... es war ein absolutes Muss, nach dem Einkaufen in Edipsos, dort Rast zu machen. Auf hölzernen Pfählen erbaut, stand, und steht es auch heute noch, mitten im Meer. Der Boden bestand aus Brettern, mit großzügigem Abstand, so dass das Meer von unten durch die Holzdielen glitzerte, und der Abstand zwischen denselben war so großzügig, dass beim Bezahlen der Rechnung hin und wieder, und sicherlich nicht zu selten, einige Münzen nach unten ins Wasser fielen. Was natürlich dazu führte, dass die Jugend des Ortes regelmäßig dort tauchte, um sich ihr karges Taschengeld aufzubessern. Und es gab keinen Ort, an dem es sich besser hätte Tavli spielen lassen. Tavli ist ein dem Backgammon verwandtes Spiel, welches in Griechenland (und auch in der Türkei) bevorzugt, aber nicht nur, von den älteren Männern, in den typischen griechischen Cafes, den "Καφενειων", (Kafenion), bei einem schönen griechischen Kaffee, gespielt wird.

Wir Kinder fanden den Aufenthalt in diesem, "Κυμα", also "Welle" genannten Cafe, vor allem deshalb besonders spannend, weil jeder Schritt auf dem quasi "durchsichtigen" Boden mit dem von unten durchschimmernden türkis-grünen Meer, einem ein nicht immer wohliges Gefühl von "Hält er, der Boden, oder hält er nicht?" gab.  

 

Heute hält der Boden ganz sicher, was die Besichtigung der verschiedenen Ausstellungen für die zahlreichen Besucher aber bestimmt nicht weniger spannend macht....

 

 

 

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