Ein Tag bei der Olivenernte

Olivenernte
Ernte von der Leiter aus!

Sie wollten immer schon mal wissen, wie ihr Olivenöl geerntet wird? Wir geben Ihnen einen kleinen Einblick!


Es ist wieder einmal so weit!

Die Olivenernte hat begonnen. Wie jedes Jahr nahm die Spannung gegen Ende Oktober zu, dieses Jahr auf grund der großen Trockenheit im Sommer ganz besonders!

Die Olivenbäume sind alle voll beladen, so voll, dass teilweise Äste abbrechen. Der Sommer war hart für die Bäume.

Ohne Wasser mussten sie ihre schwere Last über Monate hinweg tragen. Die Oliven, die zu tausenden in den Bäumen hingen, waren Ende September noch klein und sahen erbärmlich runzelig aus.

Daher auch die Anspannung der Olivenanbauer.

Wird die Ernte gut? Werden die Oliven noch wachsen, werden sie reifen? Werden sie womöglich auf Grund von Wassermangel zum großen Teil herunterfallen und dadurch zur Ölgewinnung unbrauchbar sein?

So viele Fragen, die keiner beantworten kann! Das Risiko ist groß,

 

wie überall in der Landwirtschaft.

Nach den ersten Regenfällen Anfang Oktober, hat sich die Lage dann nach und nach verbessert.

Und jetzt hat sie also begonnen, die Erntezeit. Schon Wochen vorher, wurden die zur Ernte benötigten Geräte aus den Lagerräumen geholt und überprüft. Netze ausgebessert, neue dazugekauft, Kisten und Jutesäcke bereitgestellt, Sägen geschliffen, Motorsägen und Traktor kontrolliert, Ölbehälter gesäubert und bereitgestellt, und dann, endlich der erste Erntetag!

Alles noch ein bisschen ungewohnt, wie jedes Jahr. Was nehmen wir mit zum Essen? Was zum Trinken? Kaffee, oder besser Tee,? Ein bisschen Wein und ein wenig Tzipouro (griechischer Anisschnaps) zur Mittagspause. Schließlich soll die Olivenernte ja nicht nur harte Arbeit sein, sondern auch Spaß machen und oft genug, hat man plötzlich auf dem Nachbargrundstück Gesellschaft, und findet sich dann Mittags zu einem kurzen Päuschen zusammen. 

Erster Tag, die Teebecher vergessen, die Gabeln vergessen? Dann muss halt mit der Hand gegessen werden. Das Brotmesser vergessen?? Dann wird das Brot eben nach alter Sitte gebrochen!

Aber jetzt, nach drei Erntewochen, klappt alles wieder wie am Schnürchen.

Nach einem morgendlichen Kaffee, ohne Frühstück, geht es mit unserem kleinen roten Traktor, der schon mächtig in die Jahre gekommen ist, uns aber hoffentlich die ganze Erntezeit über nicht im Stich lassen wird, in den Olivenhain!

 

Unser kleiner roter Traktor
Unser kleiner roter Traktor

Wir bearbeiten insgesamt ca. 600 Bäume und gehören hiermit zu den Kleinproduzenten.

Unsere Bäume stehen in Hainen, die teilweise kaum als solche bezeichnet werden können.

Es war früher hier im Dorf so üblich, dass Grundstücke, die vererbt wurden, aufgeteilt wurden an die Kinder oder Enkelkinder, so dass im Laufe der Jahrzehnte aus ursprünglich großen Hainen, kleine "Hainchen" entstanden, auf denen manchmal nur ein, oder zwei Bäume stehen.

Dies ist natürlich dann sehr zeitaufwendig in der Ernte, denn das heißt, nach Abernten eines Baumes, alles Arbeitsmaterial wieder aufladen, und ein paar Meter, oder Kilometer weiter zum nächsten Grundstück fahren.

Der Vorteil ist aber, dass diese alten Bäume meist sehr resistent sind, und vielfach mitten in der Bergwildnis stehen, umgeben von einer großen Pflanzenvielfalt! Gerade diese Bäume geben oftmals die schönsten und größten Früchte!

 

Olivenernte, Sonnenaufgang
Kurz nach Sonnenaufgang

Der Traktor wird jeweils am Vorabend des nächsten Erntetages bereits fertig bestückt mit Arbeitsgeräten, wie Netze, Kisten, Jutesäcken, Leiter, Sägen, Hacke, Rechen, Sichel und Ernterechen, so dass früh am Morgen, kurz nach Sonnenaufgang dann nur noch der "Picknickkorb" aufgeladen werden muss.

Dann heißt es, Mütze an, Handschuhe, Schal und los geht´s!


Wo es hingehen wird, entscheidet man grob am Vorabend. Abgeerntet werden zuerst die Bäume, deren Oliven sich bereits über rot zu schwarz hin verfärben.




Oder die Bäume, die auf Grund übergroßer Lasten bereits Oliven abwerfen, oder Grundstücke, die im Winter bei Regen oder Schnee auf Grund von Schlammbildung und schlechten Fahrwegen, schwer zu erreichen sind!

Am Erntemorgen, wird dann nochmals dem Wetter entsprechend, besprochen, wo man beginnen wird. Ist der Himmel wolkenverhangen, wird man natürlich näher gelegene Haine aussuchen. Wir haben bisher nur unseren Traktor, so dass wir bei Regenwetter nämlich kräftige Duschen abbekommen, und darauf sind wir nicht ganz so erpicht!

So, nachdem jetzt alles geklärt ist geht es in den Olivenhain!


Wildtriebe und Brombeeren entfernen
Wildtriebe und Brombeeren entfernen

Erste Arbeit vor Ort: Die Olivenbäume müssen von eventuellen wilden Trieben, die aus der Stammbasis herauswachsen, befreit werden und unsere größten Feinde, die wildwachsenden Brombeeren, müssen in mühseliger Handarbeit gehackt werden.


Es ist schon erstaunlich, wie viel Fantasie die Natur hat, wenn es darum geht, einem Landwirt das Leben schwer zu machen.


Wilder Spargel, Disteln, Stechpalmen und Brombeeren sind die schlimmsten davon.

Da wir keine Spritzmittel einsetzen, bleibt uns leider nur die mechanische Entfernung, und so nah am Baum, geht dies eben nur von Hand!


Danach werden die Netze unter den Bäumen ausgebreitet und die Ernte kann beginnen!

Olivenernte mit Netz
Olivenernte mit Netz

Wir arbeiten meistens zu zweit.

Das bedeutet, der"Chef", also Salvatore, darf auf die Leiter, und ich, das "Bodenpersonal", ernte von unten.

Unsere Erntewerkzeuge sind kleine Erntekämme, und vom Boden aus nutzt man auch einen Erntekamm, der auf einer Teleskopstange sitzt.


Bei der Ernte wird meist auch bereits ein grober Baumschnitt vorgenommen, bei welchem voll beladene, meist zweijährige Äste, bereits abgesägt werden und ins Netz fallen, wo sie dann von den Oliven befreit werden.




Ich ernte den Baum ringsum von unten ab, bis auf eine Höhe, die ich mit ausgestrecktem Arm und Kamm bequem erreichen kann. Salvatore erntet den Rest von der Leiter aus, und wirft mir die abgesägten Äste auf den Kopf:-) , Spaß....,  ist aber versehentlich tatsächlich schon vorgekommen! 


Olivenernte-Ernte über Kopf
Blick in den Himmel

Bin ich mit den unteren Ästen früher fertig, als der Chef auf der Leiter, benutze ich die Teleskopstange, so komme auch ich dann an die höher gelegenen Äste heran. Diese Arbeit geht aber ganz schön ins Genick!! Das gibt dann ab und an mal so eine richtig heftige Genickstarre....

Das Allerwichtigste für gute Erntebedingungen sind gesunde und sauber beschnittene Bäume. Sind zu viel Äste und vor allem trockene Äste im Baum, ist es kaum Möglich, mit dem Kamm vernünftig zu ernten. Stellen Sie sich langes, von Sturm und Wind verknotetes Haar vor, und versuchen Sie dieses zu kämmen....

Erntekamm
Erntekamm
Nach dem Abernten
Nach dem Abernten

So sieht es dann ungefähr bei einem gut gepflegten Baum nach dem Abernten auf dem Netz aus!

Abernten eines "Dschungelriesen"
Abernten eines "Dschungelriesen"

Und so sah es nach dem Abernten eines völlig verwahrlosten "Dschungelriesen aus", den wir, nachdem er über 7 Jahre nicht mehr beschnitten und geerntet wurde, dieses Jahr übernommen haben!!

So gegen 10 Uhr gibt es dann eine 5-Minuten Teepause, mit einer Kleinigkeit zum Essen. Unser Highlight waren bisher die Schoko Feigen, die uns unsere Tochter gemacht, und als Weihnachtspäckle geschickt hat!!

Teatime bei der Ernte
Teatime bei der Ernte
Blätter aussortieren
Blätter aussortieren

Nachdem der Baum abgeerntet ist, werden die Oliven im Netz gesammelt, und dann müssen die Blätter und kleinen Aststücke von Hand herausgelesen werden. Zwar wird auch in der Ölmühle dann nochmals sortiert, aber zu viel Holz und Blattanteile mögen die Betreiber der Mühle natürlich nicht so gerne..

Zuerst sieht das dann noch so aus..
Zuerst sieht das dann noch so aus..
und dann so!
und dann so!
Oliven am laufenden Meter!
Oliven am laufenden Meter!

Wenn die Oliven dann relativ sauber sind, also vom Blattwerk gereinigt, erfolgt dann die Auslese von Hand für Essoliven. Grüne Oliven werden meist zu Beginn der Erntezeit gesammelt, danach die roten und schwarzen Essoliven.

In allen Farben und Größen!!
In allen Farben und Größen!!

Und am Ende eines harten Arbeitstages, wenn dann alle Kisten oder Säcke gefüllt sind, heißt es alles wieder aufladen, und ab in die Mühle. Aber das wird dann noch ein Extrabericht!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0